Expo-Retter Reinhard Eberhart

Expo-Retter
Reinhard Eberhart

EXPO Journal - Der EXPO-Retter Reinhard Eberhart · 2000-09-09 · Seite 1

Halli-Hallo,
ich bin der Retter der Expo

Gestatten, ich heiße Reinhard Eberhart, Ideengroßindustrieller aus Klagenfurt, Kärnten.
Schauen Sie auf den Bildschirm der Telekom. Sehen Sie den Retter der Expo. Das bin ich. Jedenfalls, wenn ich dafür von Ihnen bezahlt werde. Ich bin Ihre Chance: Denn ich bin der Einzige, der den größten Vergnügungspark der Welt innerhalb kürzester Zeit von 2,4 Milliarden Miesen befreien kann. Allein durch die Macht meiner Ideen. Sehen Sie selbst.

Aber bevor ich anfange, müssen Sie als deutscher Steuerzahler eine Entscheidung treffen. Wollen Sie sparen und am Ende einen Riesenprofit? Oder wollen Sie Spaß? Ich weiß, Sie wollen keinen Spaß, weil die Expo ein ernstes Anliegen ist. Also müssen Sie in den sauren Apfel beißen: Bleiben Sie lieber zu Hause, denn ich hole jetzt 30 Millionen Leute aufs Gelände. Ich sorge für den größten Auflauf der Weltgeschichte.

Dafür brauche ich von Ihnen täglich eine Million Mark. Das sind bis zum Ende der Expo 53 Millionen Mark. Sagen Sie selbst, was sind 53 Millionen gegen 2400 Millionen Miese? Weniger als das Schwarze unterm Fingernagel. Meine Rechnung geht auf, Frau Breuel. Sie ist seriöser als alles, worauf Sie sich bisher verlassen haben. Ich packe jeden Tag ein Packerl mit der Million und verstecke es mal unter dem Abtritt zur Damentoilette im Themenpark, mal im linken Auspuff des Promi-Daimlers vom Deutschen Pavillon. Aber das sind natürlich nur Beispiele.

Dann geht´s los. Alle dürfen suchen. Wer findet, gewinnt das ganze Packerl. Aber gesucht wird natürlich nur gegen Eintritt. Volle Dröhnung. Abend-Ticket geht nicht. Denn wer würde riskieren, mit dem Schnüffeln bis 18 Uhr zu warten, wenn die ganze Expo schon vorher von Heerscharen von Schatzsuchern mit Spitzhacken und Spaten umgepflügt wurde (bitte das Grubenlicht nicht vergessen!).

Wetten: Jeden Tag hätte die Expo mindestens eine Million Besucher. Das macht bis zum Schluss 3,6 Milliarden Mäuse. Mehr, als die Expo verdienen wollte. Unter diesen Umständen ist es gerecht, wenn der Retter der Expo ein paar Wünsche erfüllt bekommt: 1. Ich möchte 300 Millionen Mark. 2. 300 Millionen bekommt Frau Breuel. Ohne Sie hätte ich die Expo nicht retten können. 3. Österreich soll in Europa wieder nett behandelt werden. Das sind meine Bedingungen. Entscheiden Sie selbst: Wollen Sie, dass ich die Expo rette? Dann besuchen Sie meine Homepage (www.kaernten2000.com) oder mailen Sie mir (reinhard.eberhart@chello.at). Aber rasch! Danke, bis bald, Prost und Halli-Hallo. Reinhard Eberhart aus dem himmelblauen Kärnten.

EXPO Journal - Der EXPO-Retter Reinhard Eberhart · 2000-09-09 · Seite 3

Ein Narr mit vielen Ideen

Er ist selbsternannter Faschingsgeneralintendant. Er kämpft dafür, dass sein Gruß Halli-Hallo in den Duden aufgenommen wird. Reinhard Eberhart lebt hauptsächlich von der Faschingszeitung, die einmal im Jahr in Österreich mit einer Auflage von 111 111 111 Exemplaren erscheint. Er schaffte Kärntens Kartenspieler zu den Länderwochen in den Österreich-Pavillon. Und jetzt will er die Expo retten.

Der Mann fällt auf. Eine seltsame Brille mit sich schlängelnden Drachen auf den Bügeln. Eine Frisur, die wirkt wie ein Toupet und die mit wenigen Handgriffen ungeheuer wandelbar ist. Dabei bleibt eins konstant: Die Frisur ist immer skurril. Passend für einen Faschingsgeneralintendanten. Zu dem hat er sich selbst ausgerufen. Das bringt einen gewaltigen Vorteil: „Ich kann nicht abgewählt werden.“ Bei seinen Auftritten auf Empfängen richteten sich die Kameras stets auf ihn. Seine Anzüge schillerten in allen Farben, seine Haare leuchteten Ketchup-rot. Die Traditionalisten verziehen ihm das nie und lehnten seinen Antrag auf Mitgliedschaft bei den Faschingsgilden ab.

Bei seinen Lesern wird er dafür geliebt – kein Wunder bei den Themen. Die Zeitschrift verteilte Aufkleber für Autofahrer „Bitte kein Strafmandat“. Das Blatt suchte und belohnte Österreichs hartnäckigsten Schulschwänzer mit einem New-York-Flug. Meldungen über Österreichs erfolgreichsten Eisstockschießer mit einem 19-Meter-Arm gehören ebenso zum Repertoire wie ein Gewinnspiel ausschließlich für Reiche.

Mit der Zeitung macht er Geld, aber er macht noch viel mehr. Auf seinen Visitenkarten bezeichnet er sich als Ideengroßindustrieller. Darin liegt ein Dollarschein „damit die Leute sich freuen, mich zu treffen“. Der Klagenfurter trat in Kärnten erfolglos zur Wahl als „Möchtegern-Landeshauptmann“ an. Immerhin bekam seine „Beste Partei“ mehr Stimmen als die KPÖ. Doch bei allem Witz kann er auch sehr ernst sein. Er schuf eine Postkartenserie gegen Ausländerfeindlichkeit. Und kreierte Visitenkarten mit Haider-kritischen Sprüchen. Reinhard Eberhart ist der Narr, der gern die Mächtigen veralbert. Ein Essener Kunsthistoriker bescheinigte ihm dann auch, er würde mit seinen Aktionen „gegen den Neomuff der Rechten agieren“.

AS

EXPO Journal - Der EXPO-Retter Reinhard Eberhart · 2000-09-09 · Seite 1

Halli-Hallo,
ich bin der Retter der Expo

Gestatten, ich heiße Reinhard Eberhart, Ideengroßindustrieller aus Klagenfurt, Kärnten.
Schauen Sie auf den Bildschirm der Telekom. Sehen Sie den Retter der Expo. Das bin ich. Jedenfalls, wenn ich dafür von Ihnen bezahlt werde. Ich bin Ihre Chance: Denn ich bin der Einzige, der den größten Vergnügungspark der Welt innerhalb kürzester Zeit von 2,4 Milliarden Miesen befreien kann. Allein durch die Macht meiner Ideen. Sehen Sie selbst.

Aber bevor ich anfange, müssen Sie als deutscher Steuerzahler eine Entscheidung treffen. Wollen Sie sparen und am Ende einen Riesenprofit? Oder wollen Sie Spaß? Ich weiß, Sie wollen keinen Spaß, weil die Expo ein ernstes Anliegen ist. Also müssen Sie in den sauren Apfel beißen: Bleiben Sie lieber zu Hause, denn ich hole jetzt 30 Millionen Leute aufs Gelände. Ich sorge für den größten Auflauf der Weltgeschichte.

Dafür brauche ich von Ihnen täglich eine Million Mark. Das sind bis zum Ende der Expo 53 Millionen Mark. Sagen Sie selbst, was sind 53 Millionen gegen 2400 Millionen Miese? Weniger als das Schwarze unterm Fingernagel. Meine Rechnung geht auf, Frau Breuel. Sie ist seriöser als alles, worauf Sie sich bisher verlassen haben. Ich packe jeden Tag ein Packerl mit der Million und verstecke es mal unter dem Abtritt zur Damentoilette im Themenpark, mal im linken Auspuff des Promi-Daimlers vom Deutschen Pavillon. Aber das sind natürlich nur Beispiele.

Dann geht´s los. Alle dürfen suchen. Wer findet, gewinnt das ganze Packerl. Aber gesucht wird natürlich nur gegen Eintritt. Volle Dröhnung. Abend-Ticket geht nicht. Denn wer würde riskieren, mit dem Schnüffeln bis 18 Uhr zu warten, wenn die ganze Expo schon vorher von Heerscharen von Schatzsuchern mit Spitzhacken und Spaten umgepflügt wurde (bitte das Grubenlicht nicht vergessen!).

Wetten: Jeden Tag hätte die Expo mindestens eine Million Besucher. Das macht bis zum Schluss 3,6 Milliarden Mäuse. Mehr, als die Expo verdienen wollte. Unter diesen Umständen ist es gerecht, wenn der Retter der Expo ein paar Wünsche erfüllt bekommt: 1. Ich möchte 300 Millionen Mark. 2. 300 Millionen bekommt Frau Breuel. Ohne Sie hätte ich die Expo nicht retten können. 3. Österreich soll in Europa wieder nett behandelt werden. Das sind meine Bedingungen. Entscheiden Sie selbst: Wollen Sie, dass ich die Expo rette? Dann besuchen Sie meine Homepage (www.kaernten2000.com) oder mailen Sie mir (reinhard.eberhart@chello.at). Aber rasch! Danke, bis bald, Prost und Halli-Hallo. Reinhard Eberhart aus dem himmelblauen Kärnten.

EXPO Journal - Der EXPO-Retter Reinhard Eberhart · 2000-09-09 · Seite 3

Ein Narr mit vielen Ideen

Er ist selbsternannter Faschingsgeneralintendant. Er kämpft dafür, dass sein Gruß Halli-Hallo in den Duden aufgenommen wird. Reinhard Eberhart lebt hauptsächlich von der Faschingszeitung, die einmal im Jahr in Österreich mit einer Auflage von 111 111 111 Exemplaren erscheint. Er schaffte Kärntens Kartenspieler zu den Länderwochen in den Österreich-Pavillon. Und jetzt will er die Expo retten.

Der Mann fällt auf. Eine seltsame Brille mit sich schlängelnden Drachen auf den Bügeln. Eine Frisur, die wirkt wie ein Toupet und die mit wenigen Handgriffen ungeheuer wandelbar ist. Dabei bleibt eins konstant: Die Frisur ist immer skurril. Passend für einen Faschingsgeneralintendanten. Zu dem hat er sich selbst ausgerufen. Das bringt einen gewaltigen Vorteil: „Ich kann nicht abgewählt werden.“ Bei seinen Auftritten auf Empfängen richteten sich die Kameras stets auf ihn. Seine Anzüge schillerten in allen Farben, seine Haare leuchteten Ketchup-rot. Die Traditionalisten verziehen ihm das nie und lehnten seinen Antrag auf Mitgliedschaft bei den Faschingsgilden ab.

Bei seinen Lesern wird er dafür geliebt – kein Wunder bei den Themen. Die Zeitschrift verteilte Aufkleber für Autofahrer „Bitte kein Strafmandat“. Das Blatt suchte und belohnte Österreichs hartnäckigsten Schulschwänzer mit einem New-York-Flug. Meldungen über Österreichs erfolgreichsten Eisstockschießer mit einem 19-Meter-Arm gehören ebenso zum Repertoire wie ein Gewinnspiel ausschließlich für Reiche.

Mit der Zeitung macht er Geld, aber er macht noch viel mehr. Auf seinen Visitenkarten bezeichnet er sich als Ideengroßindustrieller. Darin liegt ein Dollarschein „damit die Leute sich freuen, mich zu treffen“. Der Klagenfurter trat in Kärnten erfolglos zur Wahl als „Möchtegern-Landeshauptmann“ an. Immerhin bekam seine „Beste Partei“ mehr Stimmen als die KPÖ. Doch bei allem Witz kann er auch sehr ernst sein. Er schuf eine Postkartenserie gegen Ausländerfeindlichkeit. Und kreierte Visitenkarten mit Haider-kritischen Sprüchen. Reinhard Eberhart ist der Narr, der gern die Mächtigen veralbert. Ein Essener Kunsthistoriker bescheinigte ihm dann auch, er würde mit seinen Aktionen „gegen den Neomuff der Rechten agieren“.

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