Das Interview
 
Herr Eberhart, landläufig spricht man ja von einer Seele, die auch ein Haus haben kann. Ein besonderer Fleck eben. Wo die Zeit nie steht, aber auch nie verfliegt, wo Zeitlosigkeit im Einklang mit Natur und Wohnraum steht. Nachdem Sie jahrelang in dem ehemaligen katholischen Pfarrhof in Villach/St. Ruprecht gelebt haben, haben sie diese besondere Aura des Ortes gefühlt?

RE: Ja.

Das ehemalige Pfarrhofgebäude haben Sie zu einem der bemerkenswertesten und vielseitigsten Immobilien des Landes gemacht. Das Ensemble ist Wohnhaus, Bürohaus, Museum, Veranstaltungsstätte, Party-Location, Galerie und vieles mehr. Rund um das Haus gibt es genügend private und öffentliche Parkplätze. Die Erreichbarkeit des Ortes ist quasi genial. Neben der Autobahnabfahrt Villach-Treffen-Ossiacher See, aber außer Hörweite. Was sagen Sie?

RE: Ihre Bezeichnung "genial" finde ich sehr treffend.

Wer einmal durch das Haus gegangen ist, kommt staunend heraus. Auffallend ist, dass im Haus sehr viele regionale Baustoffe verarbeitet wurden. Die historische Grundsubstanz des Hauses sowieso, aber auch die Elemente moderner Architektur am Bauwerk sind sozusagen bodenständig. Augenscheinlich die Verwendung von Marmor. Rund um das Haus Pflasterboden aus Marmor. Im Inneren des Hauses beheizte Marmorböden. Ja, sogar Regalsysteme sind in Marmor gefertigt. Dazu muss man sagen, dass der Krastaler Marmorsteinbruch - ein internationales Bildhauerzentrum - nur einige Kilometer von Villach/St. Ruprecht entfernt ist. Auch bei der Gestaltung der Thekenskulpturen im Garten sind ja künstlerische Beeinflussungen durchaus spürbar?

RE: Ich kann mich ihren Worten inhaltlich voll anschließen!

Zum Standort selbst. St. Ruprecht wirkt sehr weltoffen. Die katholische und die evangelische Kirche stehen ganz nahe beisammen. Und der Weg in die Welt hinaus ist auch seher direkter.
St.Ruprecht liegt 197 km vor Salzburg-Stadt, in 45 Minuten durch den Karwankentunnel und wir befinden uns am Marktplatz von Lubjlana und in zweieinhalb Stunden in Harrys Bar in Venedig und in drei Stunden beim Gerhard Urbanek am Naschmarkt in Wien. Ja sicher: Zum Schinken und Wein in den Karst brauchen wir 2 Stunden und ebenfalls in 2 Stunden begrüßt uns Thomas Muster am Kogelberg mit seinem Sauvignon. Man könnte sogar sagen St. Ruprecht ist ein Mittelpunkt der Welt?

RE: Ja, das sehe ich auch so!

Das Reinhard Eberhart Museum, Ihr Thinktank auf drei Etagen gilt als eine der besten Party-Locations im Alpe-Adria-Raum. Große Firmen, internationale Konzerne und Verlagshäuser haben hier getagt und gefeiert. Und es gibt auch viele Prominente, die sich dieses Haus für besondere Feste gemietet haben. Gemunkelt wird, dass es unglaubliche Feste gegeben haben soll, bei denen manche Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ganz anders war, als man sie oder ihn von den Medien her kennt. Ich nehme an, dass über solche Ereignisse ein Mantel des Schweigens gebreitet? Das Gästebuch ist im Kopf.

RE: Sie nehmen richtig an!

Warum ausgerechnet eine Ideenuniversität (www.ideenakademie.com) in der Provinz? Eine Ideenuniversität wäre doch einfacher als zusätzliches Insitut angesiedelt, bei der Fachhochschule oder einer anerkannten Universtität? Warscheinlich deshalb, weil die Institutionellen versagt haben, denn ein Raum zum Denken für neue Ideen braucht Freiheit in jeder Hinsicht und da wäre St.Ruprecht von der Geografie hergesehen ein idealer Ort. Irgendwann wird auch diese Idee verstanden werden. Zu spät ist nie etwas, obwohl Sie vielfach Ihrer Zeit voraus waren. Sie sind soetwas wie ein Trendsetzer oder Trendentwickler, wenn ich an einfache Projekte wie ackern, gackern, Regenbogen-Party, Hoochzeiten, Stiller Silvester, Esstrilac und noch einiges mehr denke.

RE: Es kommt für alles seine Zeit und manchmal muß man warten können.

Nach vielen Jahren des Arbeitens und Lebens in Villach St. Ruprecht werden Sie sich von Ihrem Haus trennen. Ist es auch bei Ihnen so, dass alles im Leben seine Zeit hat. Jetzt, wo Sie mit Ihren Gedanken und neuen Projekten niemals stehen bleiben, ist es an der Zeit das von Ihnen kreierte Haus in andere Hände zu geben. Sie übergeben ein Haus, das mehr ist als Wände und ein Dach. Dieses Haus mit all seinen Extravaganzen, seinem verspielten Ideenreichtum, seiner Exklusivität in Ausführung und Detail - muss wohl an jemanden gehen, der mit einem offenen Geist ausgestattet ist und das Wesen des Ortes fühlt, versteht und lebt. Werden Sie die Schlüssel zum Haus mit einem lachenden und einem weinenden Auge übergeben?

RE: Davon können sie ausgehen.

Der Pfarrhof hat Geschichte. Ob im Gewölbe oder in der Kunsthalle unter den 320 Jahren alten Dachbalken, die 8 Meter hoch frei bis zum Giebel mit seinen Holzschrauben reichen, da fühlt man sich wohl, da will man sitzen bleiben. Das Haus wurde just in der Zeit gebaut, wo der amerikanische Unabhängigkeitskrieg zu Ende ging. Da war die Geschwindigkeit und Mobilität gerechnet in Pferdefuhreinheiten. Von einer guten und ruhigen Zeit im heutigen Verständnis kann hier nicht gesprochen. Über die Jahrunderte wurde das Haus mehrmals umgebaut und heute ist über die Website www.pfarrhofkauf.at einiges zu erfahren.

RE: Könnte das Haus reden, es könnte wohl viel erzählen.